Ostthüringer Zeitung: 24.01.2003:
Dia-Festival mit Workshop und Vorträgen gestartet
Saalfeld (OTZ/TS). Mit einem Workshop zur Fotografie und den ersten zwei von
zehn Vorträgen begann gestern in Saalfeld das 5. Thüringer Dia-Festival. Bis
zum Sonntag werden im Meininger Hof etwa 8000 Besucher er-wartet. 130 Leute
erfuhren am Nachmittag beim Workshop mit Dieter Glogowski etwas über Bildaufbau,
die richtige Belichtung, situatives Erkennen von Bildern und sensible Fotografie
in fremden Kulturen.
Danach lud Glogowski zum ersten Vortrag des Festivals und berichtete über "Tibet
- Mythos und Gegenwart". Kurzentschlossene bekamen für diesen Vortrag sogar
noch ein paar Karten. Das wird übrigens erst beim letzten Vortrag am Sonntagabend,
wenn der Thüringer Turmuhrbauer Steffen Willing über seine Klettertouren berichtet,
der Fall sein. Alle anderen Vorträge, darunter auch zweimal "Auf Marco Polos
Spuren" der Gastgeber Axel Brümmer und Peter Glöckner, waren schon vor Festivalbeginn
ausverkauft. Zirka 280 verkaufte Dauerkarten sorgen dafür, dass der Saal jeweils
schon fast halb voll ist.
Festivalatmosphäre kann man dennoch schnuppern. "Außer den zehn Vorträgen und
dem Workshop ist der Rest kostenlos", so Glöckner, der für die Technik verantwortlich
zeichnet. Im 40-köpfigen Org.-Team verweist man auf das umfangreiche Rahmenprogramm
mit Kurzvorträgen von Newcomern im kleinen Saal, dem Nachtpaddeln und einer
großen Fete mit zwei Bands auf den Saalewiesen oder dem Sari-Künstler Kaushik
aus Kalkutta. Zwischen den Büchern und CDs am Weltsichten-Stand findet sich
übrigens auch ein fast unscheinbarer "Dschunkentropfen". Mit diesem fünf Euro
teuren Gutschein kann man den Aufbau der Hochseedschunke und damit die Rückreise
"Auf Marco Polos Spuren" unterstützen und bekommt das Geld später beim Eintritt
in den Vortrag oder Kauf des Buches erlassen.
24.01.2003
Ostthüringer Zeitung: 26.01.2003:
Europas größtes Dia-Festival endet gestern in Saalfeld
Europas größtes Dia-Festival endet gestern in Saalfeld Von Toralf Brakutt Saalfeld
(OTZ). Unter dem Motto "Noch größer, noch besser" könnte das fünfte Saalfelder
Dia-Festival gestanden haben, das seit Freitag im "Meininger Hof" insgesamt
um die 8000 Besucher beeindruckte und dort gestern endete. Bei Europas größtem
Event dieser Art jagte ein Superlativ das nächste.
Nicht nur, dass der Veranstalter "Weltsichten" um Axel Brümmer und Peter Glöckner
nie zuvor ausgegebene Gelder in das Festival investierte, auch schien es für
die Besucher qualitätsmäßig das bisher beste gewesen zu sein. Rekordverdächtige
70 Prozent der Besucher, die sich in diesem Jahr auch zu großen Teilen ihre
Karten über das Internet ergatterten, hatten einen Anreiseweg von mehr als 200
km.
Bei Sascha Normann waren es sogar 470 km, die ihn am Wochenende von seiner Heimatstadt
Ueterse, nördlich von Hamburg, trennten. Diese Strecke legte der Zivi in nur
fünf Tagen mit seinem Drahtesel zurück. Auf etwa den gleichen Tagesstreckendurchschnitt
kam Jürgen Zierold, der es in seinem Liegendfahrrad in drei Tagen schaffte,
die 350 km von Ottendorf, bei Sebnitz, nach Saalfeld zurück zu legen.
Die Zuschauer tauchten regelrecht in die gut ein Dutzend professionell gehaltenen
Vorträge ein und waren von den spektakulären Diashows der Abenteurer tief beeindruckt.
Konnte man im Islandvortrag das Freiheitsgefühl dieses Landes im Saal fast schon
mitspüren und die atemberau-benden Naturschauspiele der westlichsten Insel Europas
erleben, wusste Dieter Glogowski in seinen Präsentationen über Tibet und den
Himalaya das Publikum in den Bann Asiens zu ziehen. Daran knüpfte einer der
Höhepunkte des Dia-Festivals, der Vortrag der ´Protagonisten´ Brümmer und Glöckner
"Auf Marco Polo´s Spuren" an.
"Das Festival ist unglaublich schön", findet der Oberweißbacher Steffen Malessa.
Das seien nicht nur Bilder, "auf mich wirkt die Darstellung wie eine Filmreise",
fügt der Besucher der Show überwältigt hinzu. Dass das Festival die Erwartungen
mehr als übertroffen hat, denkt Silvia Stange aus Berga, die das Event auf Empfehlung
eines Freundes besuchte. Berufsbedingt wird das Dia-Festival 2004 ohne das Duo
Brümmer/Glöckner stattfinden. Dann werden die Weltenbummler mit der letzten
noch existierenden Hochseedschunke von Hongkong nach Greifswald segeln. Aber
die Technik macht´s möglich: "Per Satellitenübertragung werden wir trotzdem
anwesend sein", so Axel Brümmer.
26.01.2003
Ostthüringer Zeitung: 26.01.2003:
Zu neuen Ufern
(Von Christoph Stieler) Neue Töne sind von Axel Brümmer beim 5. Dia-Festival
zu hören. Auf zu neuen Ufern lautet das Motto. Zunächst mit der Dschunke, die
in einem finanziellen Kraftakt, u. a. mit Tropfen-Gutscheinen, dem symbolischen
Verkauf von Schiffsteilen an Firmen, hochseetüchtig gemacht werden soll. In
einem dreijährigen Trip - so ist es gedacht - wird auf den Spuren Marco Polos
von Hongkong via Bombay, Alexandria, Venedig retour nach Greifswald geschippert.
Drei Jahre sind dafür vor gesehen. Mit Rücksicht auf die Windverhältnisse ein
halbes Jahr segeln, ein halbes Jahr Ruhe. Mit wechselnden Gästen an Bord und
"natürlich meiner Frau Abigail", denkt Brümmer voraus.
Und es soll nach bisherigem Denkspiel der letzte große Trip sein, er werde der
Reise-Abenteuer nach und nach müde. "120 Länder haben wir gesehen, die Interessantesten,
das reicht", meint der Globetrotter. Er freundet sich mit einem neuem Trip an.
Dem ins "bürgerliche Leben". Natürlich werde man sich weiter als Fotojournalisten
profilieren, Vorträge halten, intensiver als Verleger wirken. Neben den eigenen
Büchern ist daran gedacht, auch Fremdautoren zu verlegen. Noch ist das Zukunft.
Axel würde am liebsten "unten am Amazonas leben", Abigail lieber hier. Die Fans
dürfen gespannt sein.
26.01.2003
Ostthüringer Zeitung: 26.01.2003:
"Buddhismus ist hier sehr stark im Kommen"
Im Rahmen des 5. Dia-Festivals sprach OTZ mit Geshe Lama Ngawang
Jangchup aus Tibet und seiner Übersetzerin, Alexandra Mann, Religionswissenschaftsstudentin
aus Frankfurt/ Main.
Geshe, welche Botschaft wollen Sie den Menschen bei Ihren
Reisen verkünden?
Geshe: Ich versuche den Menschen zu erklären, dass man mit jedem seiner Mitmenschen
friedvoll umgehen kann.
Also lehren Sie Ihren Zuhörern auch biblische Gedanken, wie
die von Liebe und Mitgefühl?
Geshe: Diese zwei Wörter sind für den Buddhismus sehr bedeutend, man kann christliche
Lehren der Bibel also auch auf den Buddhismus beziehen. Ich sehe den Buddhismus
eher als eine logische Philosophenlehre und nicht als strikte Religion. Alexandra:
Das ist vielleicht einer der Gründe, weshalb der Buddhismus schon heute in Deutschland
sehr verbreitet ist. Er lässt neben seinen Thesen u. a. auch die Theorien von
Wissenschaftlern und Philosophen zu. Daher lautet eines seiner Mottos: "Mach´
die Erfahrung selbst".
Schnellebigkeit und Hektik unter den Deutschen: Haben Sie bei
Ihrem ersten Besuch hier nicht einen Kulturschock erlitten, Geshe?
Geshe: (lacht) Schnelle Autos, Busse, Züge und die neueste Technik: das wirkt
hier alles sehr groß und mächtig auf mich. Aber ich bin gern in Deutschland.
Außerdem wusste ich aus Büchern und dem Fernsehen schon viel über das Leben
hier.
Haben sich Ihre Ansichten zu den Deutschen im Vergleich zu
den Eindrücken bei Ihrem ersten Besuch hier 1997 verändert?
Geshe: Ich finde, dass sich der Geschäftssinn der Deutschen seitdem verschärft
hat. Ich fühle mich den Deutschen aber für ihre enorme Spendenbereitschaft dankbar
verbunden. Die Spenden helfen so, die ärztliche Versorgung, Schulbildung für
Kinder in Tibet aufrecht zu erhalten.
Es fragte: Toralf Brakutt 26.01.2003
Ostthüringer Zeitung: 26.01.2003:
Um Mitternacht die Saale hinab: "Schön wie Sex"
Saalfeld (OTZ/Korr.) "Das ist fast so schön wie Sex", ließ der Coburger Gernot
Wehe am Samstag nicht etwa nach Auftritt der Sambatänzerinnen verlauten, sondern
nachdem der Besucher des Dia-Festivals mit einem Ein-Mann-Paddelboot kurz nach
Mitternacht am Sonntag das obere Saalewehr an den Saalewiesen hinabfuhr. Hier
hatten sich Menschenscharen versammelt, um den insgesamt 19 Akteuren des Mitternachtspaddelns
im Rahmen des inzwischen fest zum Bestandteil des Dia-Festival gehörenden Wintercamps
zu zujubeln.
Die Platzvergabe in den Booten erfolgte per Losverfahren. Der eine oder andere
bangte vielleicht, nicht erkannt zu werden, nachdem die Moderatoren Jochen Brümmer
und Didi Bujack seinen Namen durch das Mikro jagten und sich dann drückten.
Andere wollten, aber konnten nicht: Alkohol macht nicht nur zum Fahren auf der
Straße untauglich.
Die Gewinner des Zeitrennens der Läufe, vom Wehr bis zum Pioniersteg und zurück,
erhielten neben dem Adrenalinkick, sich mit seinem Boot in die reißenden Fluten
der Saale zu stürzen Rucksäcke und Taschenlampen: vielleicht nützliche Hilfen
zum Campen beim 6. Dia-Festival.
Am Ende hatten alle Akteure das Wehr unfallfrei passiert und die Anspannung,
die zeitweise bei den Organisatoren stärker zu sein schien, als bei den Fahrern
selbst, löste sich mit jeder ge-glückten Fahrt über das Wehr, doch spätestens
beim Bier im Festzelt. Hier rockten "Metalled" aus Schleiz und "didiplay".
Toralf Brakutt 26.01.2003