Marco
Polo - venezianischer Kaufmann, Handelsreisender und Entdecker, einer der bedeutendsten
Reisenden des Mittelalters, lieferte mit seinem Erlebnisbericht 'Wunderbare
Reisen' die ersten Beschreibungen des »Fernen Ostens«. Dieses Buch, welches
zunächst als Lüge abgetan wurde, hatte Marco Polo - der 1298 bei einer Seeschlacht
in genuesische Gefangenschaft (1298-1299) geraten war - seinem Mitgefangenen
Rustichello da Pisa diktiert. Marco Polos Reisebericht prägte die Vorstellungen
von Ostasien im 14. und 15. Jahrhundert.
Marco Polo, der Sohn des reichen Kaufmanns Nicolo Polo wird im Jahr 1254 in
Venedig geboren. Als Marco 6 Jahre alt war, unternehmen sein Vater und sein
Onkel eine Geschäftsreise in das von Mongolen besiedelte Asien, weil Konstantinopel
die Handelsverträge mit Venedig gekündigt hatte. In Asien angelangt, wurden
sie von Großkhan Kublai eingeladen um nach China zu kommen.
Der Kaiser nahm die Brüder Polo mit allen Ehren auf, befragte sie über die
Könige in Europa und über die Rolle des Papstes und ließ sich Informationen
über Sitten und Gebräuche im Abendland geben. Er gab den Venezianern eine Botschaft
an den Papst, worin er diesen bat, ihm 100 intelligente und geschulte Christen
zu schicken, die imstand wären, mit ihren Untertanen zu diskutieren. Wenn es
ihnen gelingen sollte, den Kaiser zu überzeugen, so würde er mit all seinen
Untertanen zum Christentum übertreten.
1269 kehrten die Reisenden nach Venedig heim. Aber die Antwort des Papstes
ließ auf sich warten, aus dem einfachen Grund, weil er wieder einmal nicht besetzt
war. Nach seiner Wahl ermunterte Gregor X. dann freilich die Brüder Polo, eine
neue Reise in den Orient anzutreten, konnte ihnen aber nur zwei Mönche mitgeben,
die den Auftrag erhielten, den Kaiser von China ein Sendschreiben des Papstes
zu übergeben. Die beiden Reisenden verließen 1271 Venedig aufs neue und nahmen
den erst 17 Jahre alten Marco mit.
Die beiden Mönche, die mit ihnen reisten, flüchteten schon bald, weil einzelne
asiatische Gruppen feindselige Haltung annahmen. Nach einer langen und strapaziösen
Reise, die sie durch die Türkei, das Zweistromland, Afghanistan und Kaschgar
führte, erreichten sie im Jahre 1275 den Hof des Khans in Khanbalik (Peking).
Marco Polo hatte im Verlauf seiner Reise die Sprachen erlernt, die im Mongolenreich
gesprochen wurden.
Schnell freundete sich Marco mit dem Großkhan an und der Kaiser verwendete
ihn als Verwaltungsbeamten, während Vater und Onkel vielfältige Geschäfte betrieben.
Zeitweilig soll er auch Statthalter einer Provinz gewesen sein. Als Diplomat
im Dienst des Khans lernte er auf vielen Dienstreisen das Reich und verschiedene
Nachbarländer kennen.
1292
hatten die Polos den Auftrag, eine mongolische Prinzessin nach Persien bringen,
wo sie mit einem persischen König verheiratet werden sollte. Die (Heim-) Reise
führte sie u.a. über Sumatra, Vorderindien und Persien und Armenien. 1295 landeten
sie schließlich wieder in Venedig. Nach 24 Jahren Abwesenheit werden die Totgeglaubten
in Venedig mit einem Festessen begrüßt.
In Gefangenschaft geriet Marco Polo 1298, als er als Kommandant einer venezianischen
Galeere an einer Seeschlacht zwischen den Flotten Venedigs und Genuas teilnahm.
Während der 2-jährigen Haft entstand sein Reisebericht.
Nach seiner Entlassung im Jahre 1299 kehrte Marco Polo für immer in seine Heimatstadt
Venedig zurück wo er 1325 starb.
Dank Marco Polos Berichte verfügte Europa zum ersten Mal eine ziemlich genaue
Beschreibung der Länder des fernen Ostens. Zur Zeit des Aufenthalts Marco Polos
stand das Mongolenreich in China auf dem Gipfel seiner Macht und erfüllte den
jungen Italiener mit Bewunderung. Die stärksten Eindrücke empfing er von der
unermeßlichen Ausdehnung des Landes und von den unterschieden zwischen den Provinzen
im Norden und jenen im Süden mit ihren übervölkerten Großstädten. Als guter
venezianischer Kaufmann und zugleich tüchtiger Verwaltungsbeamter widmete er
dem Wirtschaftsleben von China seine besonderer Aufmerksamkeit. Er staunte über
die unendliche Kette von Dörfern und die große Zahl bedeutender Städte.
Er bewunderte ebenso Hang-tschou, daß "chinesische Venedig", daß in der Tat
auf einer lagune erbaut und von mehreren 100 Kanälen durchzogen war, über die
nach Marco Polo 12.000 Brücken führten. Im Hafen von Hang-tschou lagen fast
15.000 Schiffe, unter ihnen die großen Kursschiffe des chinesischen Meeres.
Der Staat zog großen Nutzen aus diesem regen Handelsverkehr. Allein die Stadt
Hang-tschou nahm an Zollgebühren jährlich 14.700 Sack Gold ein. Es gab eine
rein rechnerische Währung. Die Geldscheine wurden aus Maulbeerbaumholz, die
höheren Geldwerte aus Seide hergestellt und trugen alle Unterschrift und Siegel
des verantwortlichen Beamten.